Verfolgung und Emigration jüdischer Familien am Beispiel des Landkreises Göttingen, 1933-1945

Das Publikationsprojekt beschreibt Stationen der Verfolgung jüdischer Bürger und Bürgerinnen in der NS-Zeit und ihrer Emigration aus der südniedersächsischen Region. Dabei stehen die Kleinstädte und ländlichen Gemeinden in der Umgebung Göttingens im Fokus der geplanten Studie.

An Fallbeispielen soll dargestellt werden, wie Mitglieder jüdischer Familien ab 1933 aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, ihnen die ökonomischen Lebensgrundlagen entzogen und sie so zur Auswanderung gezwungen wurden. Familiäre Verbindungen spielten nicht nur in den Überlebensstrategien der Verfolgten eine wesentliche Rolle, auch bei der Beschaffung wichtiger Flucht-Unterlagen und der Ansiedlung in einer neuen Heimat waren Kontakte im erweiterten Familien- und Bekanntenkreis förderlich.

Der Verfolgungsprozess verlief in mehreren Phasen. Viele jüdische Angestellte standen schon früh nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten vor dem beruflichen Aus. Für Jüngere bedeutete eine „Berufsumschichtung“ bisweilen die einzige Arbeitsmöglichkeit. Auf diese Weise konnten sie Fertigkeiten erlangen, die viele Einwanderungsländer für die Erteilung der Einreisevisa voraussetzten. Die erste Emigrationswelle bis Mitte der Dreißiger Jahre erfasste demnach überwiegend jüngere Familienangehörige. Viele von ihnen waren Mitglieder jüdischer Jugendbünde oder zionistischer Organisationen. Sie schufen sich durch ihre Flucht nach Palästina oder in landwirtschaftliche Kooperativen Südamerikas eine neue Perspektive.

Ältere Verfolgte, meist Gewerbetreibende, hatten unter dem antisemitischen Wirtschaftsboykott zu leiden. Zahlreiche kleinere Geschäft mussten lange vor der „Zwangsarisierung“ 1938 aufgegeben werden. Spätestens mit diesem Jahr begann die Phase der totalen Ausplünderung der jüdischen Menschen. Auch Geschäftsleute, die besonderer Umstände wegen bis dato nur geringe finanzielle Einbuße zu verzeichnen hatten, mussten ihre Unternehmen nun schließen oder an „arische“ Bewerber übergeben. Ab diesem Zeitpunkt ging es nur noch darum, dass eigene Leben und das der im Deutschen Reich zurückgebliebenen Familienangehörigen zu retten.

Gleichzeitig verschlossen immer mehr Länder ihre Grenzen vor den Flüchtlingen, so dass eine verzweifelte Suche nach den letzten aufnahmebereiten Staaten einsetzte. Bis zum Sommer 1941 gelang es noch einigen jüdischen Familien aus der Region zu fliehen. Die Darstellung der Fluchtumstände, der Bedingungen in den Zielländern und der Startschwierigkeiten in ein neues Leben sollen die Publikation abrunden.

Die Projektwebsite ist seit November 2015 online unter:
juedische-emigration.geschichtswerkstatt-goettingen.de